Kloster Arnsburg
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Kloster Arnsburg

Zur Geschichte des Klosters

Burg Münzenberg
Burg Münzenberg

Arnsburg ist eine mittelalterliche Gründung des Zisterzienserordens und bestand über 600 Jahre bis zu seiner Auflösung im Jahr 1803. Gegründet wurde das Kloster 1174 als eine Stiftung Kunos I. von Münzenberg. Der alte Sitz der Familie, die hochmittelalterliche Arnsburg, gab dem Kloster seinen Namen. Kuno nannte sich nach seiner neuen Burg »von Münzenberg«, die ältere Anlage hatte er abbrechen lassen. Und so erinnern heute nur noch aufgemauerte Fundamente an die ehemalige Arnsburg, während die imposante Ruine der Burg Münzenberg weithin sichtbar die Wetterau beherrscht.

Der Auftrag zur Klostergründung ging an das Zisterzienserkloster Eberbach im Rheingau. Aus diesem Kloster machten sich also (vermutlich) zwölf Mönche und ein Abt als Gründungskonvent auf den Weg nach Arnsburg. Als »Tochtergründung« Kloster Eberbachs ist Arnsburg zugleich eine »Enkelin« des Klosters Clairvaux und eine »Urenkelin« des ersten Zisterzienserklosters Cîteaux in Burgund (1098). Im 12. Jahrhundert, als auch Arnsburg gegründet wurde, blühte dieser Reformorden in unvergleichlicher Weise auf. Sein Ziel war ein monastisches Leben nach der Regel des heiligen Benedikt von Nursia († 547). Dabei distanzierten sich die Zisterzienser von der Entwicklung des benediktinischen Mönchstums und wollten Gebet, Arbeit und Askese wieder in den Mittelpunkt des klösterlichen Lebens stellen.

Zisterziensische Charakteristika kann ein Besucher Arnsburgs auch heute noch erkennen. Da ist beispielsweise die Lage des Klosters: Fast versteckt liegt es abgeschieden im Tal der Wetter und schmiegt sich in eine Schleife des kleinen Flüsschens. Die Ordensregel schrieb abgelegene Klosterorte vor – eine deutliche Abgrenzung von den Benediktinern, die ihre Klöster lieber auf Anhöhen erbauten. Aber auch aus landwirtschaftlicher Sicht war das Flusstal ein geeigneterer Ort.

Arnsburg erlebte seine größte Blüte während des 13. und frühen 14. Jahrhunderts. Es war Grablege für bedeutende Geschlechter der Wetterau. Privilegien des Papstes (Zehntfreiheit) und des Kaisers (Schutzherrschaft) förderten das Kloster und ermöglichten ihm eine relativ eigenständige und erfolgreiche Entwicklung, die es auch nach dem Aussterben der Stifterfamilie verteidigen konnte. Schenkungen und (land)wirtschaftliches Geschick mehrten den Besitz und stärkten die Beziehungen zu den umliegenden Städten, in denen das Kloster Handelshöfe unterhielt.

Arnsburg um 1500
Arnsburg um 1500. Einen derart hohen Turm besaß die Klosterkirche zu dieser Zeit jedoch vermutlich noch nicht. © Dieter Wolf, Butzbach

Mit der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert geriet das Kloster zunehmend in die Auseinandersetzung zwischen der Landgrafschaft Hessen und dem Erzbistum Mainz. Eine Zerstörung des Klosters konnte abgewendet werden, aber auch in den folgenden Jahrzehnten litt die Abtei unter Besetzungen, Raubzügen und zahlreichen Schäden. Als sich die Solmser Grafen im 16. Jahrhundert der Reformation anschlossen, kam es zu einem Bruch im Verhältnis zu diesen Erben der Stifterfamilie. Die Solmser versuchten das Kloster aufzulösen. Abt und Konvent riefen den Kaiser um Hilfe an, und dieser betraute den Erzbischof von Mainz mit dem Schutz des Klosters. Arnsburg konnte sich als eine katholische Insel im protestantisch reformierten Umland behaupten.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) mussten Abt und Konvent aus Arnsburg fliehen. Die Abtei wurde besetzt und geplündert. Bei ihrer Rückkehr fanden die Mönche ein weitgehend zerstörtes Kloster vor und machten sich an den Wiederaufbau. Das 18. Jahrhundert war trotz weiterer kriegerischer Unterbrechungen vor allem eine Zeit geschäftiger Bautätigkeit, in der zahlreiche Gebäude errichtet und der barocke Ausbau des Klosters vorangetrieben wurde.

Nur wenige Jahre vor dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation brachte der Friedensschluss von Lunéville (1802) auch das Ende des Klosters Arnsburg. Nach den Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses (1803) fiel es mit seinem gesamten Besitz dem Haus Solms zu, als Entschädigung für die an Frankreich verlorenen linksrheinischen Gebiete. Der Besitz wurde aufgeteilt und zerstreut. So findet sich die Rokoko-Kanzel der Arnsburger Abteikirche heute in der evangelischen Marienstiftskirche in Lich und der barocke Hochaltar in der katholischen Pfarrkirche St. Georg in Mainz-Kastell. Die Bibliothek des Klosters ging in den Besitz des Hauses Solms-Laubach über. Einen Teil der Gebäude verkauften die Solmser auf Abbruch, 1818 stürzten die Dächer und Gewölbe der Kirche ein, die seitdem Ruine ist.

Im 19. und 20. Jahrhundert fanden die verbliebenen Gebäude vielfältige Verwendungen. Arnsburg beherbergte im Laufe der Jahrzehnte ein Zuchthaus für Männer, ein Rettungshaus für verwahrloste Mädchen, die ausgebombte Gießener Universitätsfrauenklinik und ein Altenheim. Seit 1960 ist der ehemalige Kreuzgang ein Kriegsgräberfriedhof. Hier ruhen nicht nur Soldaten, sondern auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter sowie die Gefangenen eines Arbeitslagers in Hirzenhain, die von der SS erschossen wurden, kurz bevor die US-Amerikaner den Ort erreichten. Seit den späten 1950er Jahren gibt es Initiativen, um die mittelalterlichen Bereiche des Klosters vor dem vollständigen Verfall zu retten und für Besucher zugänglich zu machen. Ein Verein zur Bewahrung der Anlage wurde gegründet: Der »Freundeskreis Kloster Arnsburg«.

Ein kurzer Rundgang durch die Klosteranlage

Pfortenbau
Pfortenbau

Die geschlossene Anlage der ehemaligen Zisterzienserabtei zählt zu den schönsten Klosterruinen in Europa. Besonders der Kontrast zwischen den mittelalterlichen Ruinen und den umgebenden barocken Gebäuden macht den besonderen Arnsburger Charme aus.

Der barocke Pfortenbau, 1774 bis 1777 nach Plänen von Coelestinus Wagner errichtet, empfängt die Besucher des ehemaligen Klosters. Er ist das jüngste Barockgebäude Arnsburgs. In seiner Außenfassade grüßt Bernhard von Clairvaux die Ankömmlinge, an der Innenseite ist Maria Immaculata zu sehen (beides Statuen des Mainzer Hofbildhauers Nikolaus Binterim).

Bursenbau
Bursenbau

Das nächste Gebäude, das in den Blick fällt, ist der »Bursenbau«, der außerhalb der Klausur lag. In ihm waren Dormitorium und Refektorium der Konversen (Laienbrüder) untergebracht. Das Erdgeschoss stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, das Obergeschoss mit dem Mansarddach wurde um 1750 umgebaut.

Das gotische Portal der Laienbrüder dient nun als Zugang zum westlichen Teil der ehemaligen Abteikirche. Von hier aus, mit dem Blick nach Osten, erschließt sich dem Besucher die einzigartige Atmosphäre der Kirchenruine.

Kirchenruine
Kirchenruine

Die Kirche ist das älteste Gebäude der Abtei. Die Mönche begannen 1196/97 mit dem Bau des Chors; im Jahr 1246 feierten sie die Weihe der dreischiffigen Basilika. Im Verlauf der Bauzeit wandelten sich die architektonischen Formen: Während im Osten romanische Rundbögen zu finden sind, haben die westlichen Joche bereits frühgotische Spitzbögen. Auf der Nordseite der Kirche liegt der ehemalige Mönchsfriedhof, die heutigen Gräber stammen jedoch ausnahmslos aus der Spätneuzeit.

Dormitorium
Dormitorium

Direkt gegenüber dem Portal zum Friedhof, am Ende des südlichen Querhausarms, liegt der Treppenaufgang zum Dormitorium, dem Schlafsaal der Mönche. Es ist ein im Norden dreischiffiger, sich zweischiffig verschlankender Raum mit gotischem Kreuzgratgewölbe. Das südliche Ende, ein saalartig erneuerter Teil, ist nur noch einschiffig und hat eine Balkendecke. Das ursprüngliche Gewölbe war im 19. Jahrhundert eingestürzt. Heute dient das Dormitorium vor allem für Ausstellungen und Konzerte.

Die nächste Station des Rundgangs ist der Mönchsaal. Zu Klosterzeiten war dieser Raum das so genannte »Auditorium« oder »Parlatorium«. Der Name verweist auf das Schweigegebot innerhalb der Klausur: Einzig in diesem Raum, in dem die Mönche häusliche Arbeiten verrichteten, galt es nicht. Der Mönchssaal liegt unter dem südlichen Ende des Dormitoriums und besaß ursprünglich ebenfalls ein Kreuzgratgewölbe.

Kreuzgang und Kriegsopferfriedhof
Kreuzgang und Kriegsopferfriedhof, im Vordergrund die Reste der Brunnenkapelle

Geht man in der ehemaligen Klostergasse nicht links in die Kirchenruine, sondern durchquert geradeaus einen schmalen Mauerdurchbruch, so steht man im ehemaligen Kreuzgang. Der Wandelgang, der die wichtigsten Räume der Klausur miteinander verband, ist verschwunden. Lediglich Konsolen und Gewölbeansätze an den Außenmauern sowie die aufgemauerten Mauersockel der Innenseite sind noch sichtbar. Aus den Zeiten des Klosters existieren noch die Reste der Brunnenkapelle sowie der Kapitelsaal. Der quadratische Raum mit seinen neun ebenfalls quadratischen Jochen mit Kreuzgratgewölben ist ein herausragend schönes Beispiel frühgotischer Architektur. Linker Hand des Kapitelsaals führte das Mönchsportal in die Kirche. Der Kreuzgang selbst dient heute als letzte Ruhestätte für 447 Opfer des Zweiten Weltkriegs und der Nationalsozialisten, darunter 87 Frauen und Männer aus dem Arbeitslager Hirzenhain (Wetteraukreis), die 1945 von der SS ermordet wurden. Die beiden Tafeln an der westlichen Umfassungsmauer des Kreuzgangs erinnern an ihr Schicksal.

Auch die umliegenden Gebäude lohnen einen Blick, allerdings sind sie überwiegend vermietet und privat genutzt. Es sind dies die Bauten der Barockzeit: das Abteigebäude, der Prälatenbau, der Küchenbau, die Klostermühle, das Alte Brauhaus, die Stallungen und das Gartenhaus des Abtes.

Gartenhaus
Klostermühle
Prälatenbau
Gartenhaus, Klostermühle und Prälatenbau

© Freundeskreis Kloster Arnsburg e.V., 2017